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Das Umfeld produzierender Unternehmen ist zunehmend von Turbulenzen geprägt. Diese resultieren aus Veränderungen in den Märkten, verschärften Produktanforderungen hinsichtlich Variantenzahl und Innovationszeit sowie aus den steigenden Anforderungen eines globalen Wettbewerbs. Um weiterhin konkurrenzfähig zu sein, müssen sich Unternehmen den sich ändernden Herausforderungen permanent stellen. Hierbei spielt die Veränderungsfähigkeit der Organisation und damit auch der eingesetzten betrieblichen Software eine wesentliche Rolle.
Die Auswirkung der Turbulenzen und die Veränderungsfähigkeit sind in den verschiedenen Unternehmensbereichen wie Einkauf, Produktion und Logistik unterschiedlich stark ausgeprägt. Basierend auf dem Verständnis, dass Änderungen in betrieblichen Prozessen und Strukturen der Bereiche zumeist Anpassungen des unterstützenden Softwaresystems bedingen, sind speziell die in den turbulenzkritischen Bereichen eingesetzten Softwaresystemelemente bzw. -module Veränderungen unterworfen. Um diese mit einem geringen Aufwand an Zeit und Kosten durchführen zu können, müssen die Systemelemente anpassbar und damit wandlungsfähig sein.
Untersuchungen in der Praxis ergeben jedoch, dass die heute verbreiteten Standard-Auftragsabwicklungssysteme die notwendige Anpassungsfähigkeit hinsichtlich Funktionalität und Konfiguration nur in den seltensten Fällen aufweisen. Aus diesem Grund kommt insbesondere der technologischen Wandlungsfähigkeit eingesetzter Standardsoftware eine hohe Bedeutung zu. Softwarehersteller sind daher in Zukunft gefordert, Auftragsabwicklungssysteme zu entwickeln, die sowohl in der Entwicklungsphase (Build-Time) als auch in der Betriebsphase (Run-Time) umfassende Anpassungen ermöglichen.
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Ziel dieses Forschungsprojektes ist die Entwicklung und der Betrieb wandlungsfähiger Auftragsabwicklungssysteme. Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) innerhalb des Rahmenkonzeptes "Software Engineering 2006", Förderkennzeichen 01|SC20D, gefördert und vom Projektträger Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. betreut.
Vor der skizzierten Problemstellung versucht das Forschungsprojekt die Wandlungsfähigkeit von Auftragsabwicklungssystemen sowohl in der Entwicklungsphase als auch der Betriebsphase zu erhhen. Hierzu verwendet das Forschungsprojekt zwei gekoppelte Regelkreise, um Anforderungen, welche aus dem Betrieb heraus identifiziert werden können, in eine zielgerichtete Entwicklungsphase einfließen lassen zu können. Das Regelkreismodell ist in Abbildung 1 dargestellt.
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Abb. 1: Regelkreismodell von CHANGE
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Die Idee des Run-Time-Regelkreises ist derart konzipiert, dass bei erfolgreicher Umsetzung der Forschungsergebnisse sowohl Anwender als auch Hersteller von Auftragsabwicklungssystemen (AAS) profitieren. Anwendern wird ermöglicht, eine integrierte Entscheidung von Veränderungsstrategien aus organisatorischer und informationstechnischer Sicht durchzuführen. Durch die Integration der IT-Hersteller in den Auswahl- und Entscheidungsprozess von Strategien können Synergieeffekte aus dem Zusammenspiel zwischen Prozess und prozessunterstützender IT ausgenutzt werden. Somit erhöht sich die Unterstützungseffizienz der eingesetzten Softwaresysteme und die relevanten Prozesse und Abläufe können optimiert gestaltet werden. Hersteller von AAS können durch die genauere Kenntnis der Kundenanforderungen bzw. das gesteigerte Problemverständnis ihre Engineering-Prozesse darauf fokussieren und damit ihre Entwicklungskapazitäten geeignet einsetzen. Dieser Wissensvorsprung kann dann ggf. in den Systemstandard übernommen werden, um die Lösungen weiteren Kunden proaktiv anzubieten. Durch die Erhöhung der Wandlungsfähigkeit ihrer Systeme, welches das erklärte Ziel dieses Forschungsprojektes ist, wird die Wettbewerbsfähigkeit der AAS-Hersteller nachhaltig gesteigert.
Im Rahmen des Teilprojektes 2 beschäftigt sich das iwb mit der Kernfrage, welche abgeleiteten Anforderungen an das Softwaresystem sich aus den Markt- und Umweltturbulenzen ergeben. Kernaufgabe ist dabei die analytische Identifikation der unternehmensspezifischen Anforderungen an das Auftragsabwicklungssystem.
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Zunächst werden in einem ersten Schritt auf Basis der erfassten Unternehmenskennzahlen Prognosen erstellt, aus denen zukünftige Veränderungsbedarfe abgeleitet werden können. Aus dem Abgleich der erwarteten Veränderungsbedarfe und den unterschiedlichen Fähigkeiten der Unternehmensbereiche auf diese zu reagieren, werden veränderungskritische Bereiche identifiziert. Die eingesetzten Module, welche die kritischen Bereiche unterstützen und somit ggf. verändert werden müssen, werden daraufhin auf ihre Wandlungsfähigkeit und damit die Fähigkeit analysiert, diese Veränderungen mit minimalem Aufwand an Zeit und Kosten zu ermöglichen. Darauf aufbauend werden Handlungsempfehlungen abgeleitet.
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Im Rahmen des Forschungsprojektes CHANGE wurden Methoden und Werkzeuge erarbeitet, um ausgehend von messbaren Turbulenzen des Umfeldes kritische Unternehmensbereiche zu identifizieren, in denen ein Veränderungsbedarf erwartet wird. Daraus lassen sich konkrete Anforderungen an die unterstützende Software ableiten. Die Methodik besteht im Wesentlichen aus drei Phasen:
- Analyse von Veränderungsbedarfen durch Prognose der relevanten Unternehmenskennzahlen in einem Turbulenzprofil
- Abgleich der Turbulenzen mit den Flexibilitäten des Unternehmens zur Identifikation von veränderungskritischen Bereichen
- Analyse der Wandlungsfähigkeit sowie des Aufwands einer Erhöhung der Wandlungsfähigkeit der unterstützenden Systemaufgaben zur Ableitung von IT-Strategien im Betrieb und Ermittlung von Anforderungen an das Auftragsabwicklungssystem in der Entwicklungsphase.
Die Methodik sowie ihre Durchgängigkeit im Forschungsprojekt konnte anhand einer industriellen Fallstudie validiert werden. Die entwickelte Methodik und erarbeiteten Werkzeuge sind hierbei anwendbar für
- Unternehmen, um die Systemlandschaft ihres Auftragsabwicklungssystems hinsichtlich einer optimalen Unterstützungsleistung bei erwarteten Veränderungen zu analysieren,
- Unternehmen zur Bestimmung des geforderten Maßes an Wandlungsfähigkeit bei der Neuanschaffung eines Auftragsabwicklungssystems sowie
- Softwarehersteller, um das Software Engineering in den von Kunden jeweilig prognostizierten Problembereichen voranzutreiben.
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abgeschlossen
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05/2004-04/2006
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09.09.2006
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Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre - Unternehmensführung, Logistik und Produktion TU München, Universität Potsdam, FAUSER AG, PSIPENTA GmbH
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BMBF, Projektträger DLR e.V.
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- Berlak, J.; Deiffel, B.; Müller, N. (2003), Managing Changeable Supply Chain Networks: A cybernetic organizational and information technological approach. In: International Business & Economics Research Conference. Proceedings of the IBERC 03 (CD ROM)
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Gronau, N.; Wildemann, H.; Zäh M. F. et al.: Tools zur Ermittlung der Wandlungsfähigkeit. ERP Management, 2 (2006), Heft 1, S. 23-26.
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Müller, N.: Entwicklung und Betrieb wandlungsfähiger Auftragsabwicklungssysteme. In: iwb Seminarberichte (2005) 77: ERP-Systeme
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Müller, N.: Wandlungsfähigkeit als Gestaltungsparadigma für Auftragsabwicklungssysteme, iwb newsletter, 13 (2005) 1; S. 9-11.
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Wildemann, H.; Zäh, M. F.; Müller, N. et al.: Wandlungsfähige Auftragsabwicklung als Voraussetzung für effizientes Produzieren in Netzwerken. In: Ferstl, O. K. et al. (Hrsg.): Wirtschaftsinformatik 2005 - eEconomy, eGovernment, eSociety. Physica-Verlag, Heidelberg, 2005, S. 83-101.
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Wildemann, H.; Zäh, M. F.; Müller, N.: Methodology for Improving Changeability of Order Processing. In (Reinhart, G.; Zäh, M. F. Hrsg.): 1st International Conference on Changeable, Agile, Reconfigurable and Virtual Production (CARV 2005), Conference Proceedings, Technische Universität München, Garching, Germany, 22-23 September, 2005. Herbert Utz Verlag Wissenschaft, München, 2005; S. 163-170.
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Zäh, M. F.; Müller, N.: Interdependency of Changeability in Order Management Processes and Order Management Systems, Conference Proceedings ICAM 2005 International Conference on Agility, Helsinki, 27.-28. July 2005; pp. 403-407.
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Zäh, M. F.; Müller, N.: Turbulenzanalyse zur Ableitung von IT-Strategien. In: Gronau, N.; Lämmer, A. (Hrsg.): Wandlungsfähige ERP-Systeme - Entwicklung, Auswahl und Methoden. GITO-Verlag, Berlin, 2006, S. 18-35.
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